Mittwoch, 21. November 2007

Djihad

Konrad - Noch einige Miszellen zum „gerechten Krieg“ und dem „Djihad“

Arten des Krieges

In der lateinischen Antike bezeichnete bellum ohne Zusatz den auswärtigen Krieg. Im europäischen Mittelalter tritt daneben der Begriff des guerra, meinend einen Krieg nachgeordneter Herrschaften gegeneinander[1].

Der gerechte Krieg

Eine explizite Befassung mit dem Begriff des gerechten Krieges nimmt schon der römische Politiker Cicero vor (De officiis I, 11, 34 ff; De re publica 3, 23.35). Ein Krieg ist danach gerecht, wenn er einen rechten Grund hat, etwa Strafe oder das Rächen von Unrecht oder die Abwehr von Feinden, der Krieg muß zudem ordentlich eröffnet worden sein und nach Kriegsrecht geführt werden.

Der Gedanke eines gerechten Krieges ist historisch wohl ein Element des Kriegsrechts, des Rechts, das zwischen Kriegsführenden gilt. Die lateinische Antike hatte den Begriff des ius belli, des Rechts des Krieges. Das ius ad bellum, das Recht zum Kriege, gehörte dazu und zu diesem der bellum iustum, der gerechte Krieg, derjenige Krieg, dem ein gerechter Grund zum Kriege, eine iusta causa belli, zur Seite steht, der mindestens gerechtfertigt ist[2].

An antiken Autoren zum Thema seien genannt Aurelius Augustinus (gestorben 430) und Isidor von / aus Sevilla (gestorben 636). Augustinus hatte einen Krieg dann als bellum iustum erachtet, wenn er autorisiert ist (auctoritas principi) und wenn ein gerechter Grund bestehe und die Kriegsführenden rechte Kriegsintentionen (intentio bellantium recta) haben[3].

An Augustinus anknüpfend und grundlegend für eine weit spätere Zeit war dann Thomas von / aus Aquino.


Religionskriege

Leseempfehlung zu Älterem:

Kang, Sa-Moon: Divine war in the Old Testament and in the ancient Near East. Berlin und New York, 1989 (Diss. Univ. Jerusalem, 1984, Walter de Gruyter & Co., ISBN 3-11-011156-X). Vorhanden in der UB Marburg.

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Ein Krieg kann als Strafe Gottes gesehen werden. So sah etwa Martin Luther die seinerzeitigen „Türkenkriege“, das nachhaltige Erobern weiter Landstriche durch osmanische Heere, theologisch als eine Srafe Gottes. In seiner Verteidigungsschrift von 1518 führte er den Gedanken weiter dahin, daß Derjenige, der sich gegen das Strafgericht Gottes stelle, sich gegen Gott stelle. Gegen die Türken hülfen Gebet und Buße. Erasmus von / aus Rotterdam sah es seinerzeit als den richtigen Weg an, die Muslime gewaltlos zu missionieren. Später ab 1528 - osmanische Heere rückten zwischenzeitlich schon auf österreichische Kernlande zu - sah Luther zwar die Türken weiter als Geißel Gottes und fleischlichen Ausfluß des Teufels, vertrat nun aber auch den Gedanken einer militärischen Niederwerfung der „Türken“, die Obrigkeit habe ihre Untertanen aufgrund ihrer Verantwortung für diese zu schützen, mit einem gerechten Kriege, einem Verteidigungskriege[4].


Djihad

Das arabische Wort Djihad (جهاد‎ ,dʒiˈhaːd) kann etwa mit „Ernsthaftem Bemühen“ übersetzt werden, das Wort ist an sich die Verkürzung des arabischen Begriffes al-djihhādu fī sabīl Illāh (الجهاد في سبيل الل), der gesamte Begriff kann übersetzt werden als „Ernsthaftes Bemühen auf dem von Allah vorgegebenen Weg“. Das Wort Djihad beinhaltet auch den physischen Kampf bis hin zum Töten, ist aber an sich ein hierüber hinausgehender Begriff. In einzelnen Zusammenhängen kann Djihad durchaus nur den physischen Kampf bis hin zum Töten meinen. Das Wort Djihad ist Bestandteil des Eigennamens verschiedener Organisationen, die Terrorismus anwenden und ihre Ideologie islamistisch begründen[5].

Djihad wird gelegentlich auch sinngemäß mit „Heiliger Krieg“ (der Muslime) übersetzt. Der Begriff „Heiliger Krieg“ entspringt indes nicht originär islamischen Gedanken, ohne andererseits solchen fremd zu sein (letzteres wird bestritten). Die sinngemäße Übersetzung von Djihad mit „Heiliger Krieg“ findet sich etwa in der älteren Koran-Übersetzung von „Max Henning“, hinter diesem Pseudonym verbarg sich möglicherweise der deutsche Semitist Friedrich August Müller (1848 - 1892). Gegen diese (bestrittene) sinngemäße Übersetzung im Einzelfall mit „Heiliger Krieg“ wird oft eingewandt, daß das Wort dies wörtlich nicht meine, was aber auch niemand Derer, die es mit „Heiliger Krieg“ übersetzten, behauptete.


Grenzen des tötenden Djihad?

Grenzüberschreitungen.

Rechtfertigungen

Entschuldigungen


[1] Einige Beispiele bei Ziegler, Karl-Heint, a. a. O., Seiten 59, 60.
[2] Siehe näher Ziegler, Karl-Heinz: Kriegsrechtliche Literatur im Spätmittelalter, Seiten 58 f.
[3] Ziegler, Karl-Heinz, a. a. O., Seite 58.
[4] Siehe näher Kerth, Sonja: Modelle für Kriegsbegründungen, Seiten 243 - 247.
[5] „Bewegung Islamischer Djihad in Palästina“ (حركة الجهاد الإسلامي في فلسطين‎). Die Organisation hat ihren Sitz in Damaskus. Neben Syrien ist ein Sponsor dieser sunnitischen Organisation die zwölfer-schiitische Islamische Republik Iran Als Gefährder eingeschätzte Gefolgsleute der Organisation sind Ziel extralegaler Tötungen Israels. Die „Bewegung Islamischer Djihad in Palästina“ betreibt eine arabisch-sprachige Internet-Seite unter http://www.qudsway.com/.

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