Donnerstag, 10. Januar 2008

Protokoll 7. 1. 2008

Protokollant: M. E.

Protokoll der Sitzung vom 07.01.2008

Themen:
1.) Schia: Konfessionelle – politische Identität
2.) Kinder als Soldaten und Selbstmordattentäter

Das erste Referat setzt sich mit der Geschichte sowie der religiösen, politischen und sozialen Konstitution der Schia/Schiiten auseinander. Schwerpunkt hierbei: Der Irak.
Die Referentin stellt ihrem Vortrag die These voraus, das die Zugehörigkeit zur Schia neben den religiösen auch ökonomische und soziale Aspekte impliziere. Der erste Teil des Referats beschreibt, beginnend im Jahre 632, die zunächst nicht primär durch Religion geprägte Geschichte der Schiiten sowie den historischen Wendepunkt zur Glaubensgemeinschaft. Der zweite Teil geht dann auf die Situation im Irak ein. Hier stellt die Referentin zunächst einige relevante Persönlichkeiten vor und beschreibt sowohl die Schiitische Opposition unter Saddam Hussein, als auch nach dem Sturz der Baath Partei 2003. Der letzte Teil setzt sich mit innerschiitischen Konflikten, speziell mit der Frage nach einer föderalistischen oder zentralen Neuorganisation im Irak auseinander. Hierbei werden verschiedene schiitische Gruppen im Irak benannt.

Herr Konrad merkt an, das die Einstellung der jeweiligen Gruppen bezüglich der Frage nach Föderalistischer oder Zentralistischer Organisation des Irak häufig mit ihrer Internen Organsiations-Struktur verbunden sei. Dezentral organisierte Gruppen sprächen sich demnach eher für eine zentralistische Lösung aus als diejenigen, die auf bestimmte Regionen konzentriert sind. Weiterhin erläutert er, das sich die wirtschaftliche Macht Schiitischer Gruppen über ein Steuersystem herstelle, in welchem das Geld direkt an die jeweiligen Ayathollas gezahlt würde. Der Einfluss dieser religiösen Führer wirke bis in den Iran herein, wo sie eine ernsthafte Konkurrenz für die dortigen religiösen Machthaber darstellten. Frau Salali erläutert an dieser Stelle den Unterschied zwischen der islamischen und der Schiitischen Steuer. Es kommt die Frage auf, inwiefern sich die Schiiten im Irak in ethnischer und politischer Hinsicht von denen im Iran unterscheiden würden. Die Referentin antwortet, dass die politische und religiöse Geschichte des jeweiligen Landes prägend sei, ethnische Unterschiede allerdings nicht auszumachen währen. Frau Salali weist an dieser Stelle auf eine zentrale Differenz im jeweiligen Verhältnis zum Staat hin. Während sie im Iran staatliche Unterstützung genössen, mussten die Schiiten im Irak seit jeher aus einer oppositionellen Position heraus agieren. Ferner seien ethnische Differenzen sowohl bei kurdischen Schiiten im Irak als auch den verschiedenen Stammeszugehörigkeiten zu konstatieren.
Das zweite Referat thematisiert die Rolle von Kindern und Jugendlichen als Soldaten und Selbstmordattentäter. Im ersten Teil soll hierbei eine generelle Definition geleistet werden, während der zweite Teil anhand mehrerer Beispiele zu illustrieren versucht, mit welchen Formen ideologischer Indoktrinierung Kinder in Krisengebieten konfrontiert sind. Die erste Referentin stellt vorweg, das der Versuch einer Definition des Begriffs „Kindersoldaten“ schon aus dem Grund schwierig ist, als das es an weltweit verbindlichen Regelungen fehlt, wie lange ein Mensch als Kind gelte. Als Orientierung verweist sie 1.) auf den „child soldier global report“ sowie 2.) auf die UN Kinderrechtscharta. Weiterhin sei aufgrund von Geheimhaltung und Unzugänglichkeit militärischer Konflikte, auch eine präzise Angabe über die Verbreitung des Phänomens schwierig. Die Referentin führt Schätzungen an, die von weltweit 250.000 bis 300.000 als Soldaten tätigen Kindern ausgehen. Es stellt sich die Frage, warum Kinder überhaupt als Soldaten eingesetzt werden. Hier kann sowohl auf soziale, als auch militärische und ökonomische Faktoren verwiesen werden. Das Phänomen, das sich neben denjenigen die zwangsrekrutiert werden, einige Kinder scheinbar freiwillig kämpfenden Parteien anschließen, versucht die Referentin Anhand von Beispielen aus der Studie „Young Soldiers: Why they choose to fight“ von Irma Specht und Rachel Brett zu erklären. Sowohl Armut, als auch der Einfluss von Familie, Religion und Tradition spielten hierbei eine Rolle.
Die zweite Referentin stellt am Beispiel von palästinensischen Medien und Schulbüchern verschiedene Arten der ideologischen und religiösen Beeinflussung von Kindern da. Sie merkt an, dass im Falle Palästinas nicht im engeren Sinne von Kindersoldaten gesprochen werden kann, Kinder jedoch trotzdem eine wichtige Rolle innerhalb des Konflikts spielen würden. Anhand verschiedener Darstellungen aus Schulbüchern lassen sich drei zentrale konfliktrelevante Aspekte erkennen, die den Kindern innerhalb des Lehrstoffs vermittelt werden: 1.) Die Ablehnung des Staates Israel 2.) Die Glorifizierung des heiligen Kriegs und des Märtyrertums sowie 3.) die Anstachelung zum Hass gegen Juden. Im Weiteren werden verschiedene Auszüge aus dem palästinensischen Kinderfernsehen gezeigt – zum einen ein „Interview“ mit einem dreijährigen Mädchen zum Thema Islam, zum anderen „Farfur“, eine ideologisch aufgeladene Abwandlung von Mickey Mouse. Auch hier lassen sich die eben genannten Inhalte (Märtyrertum, Hass auf Israel, Antisemitismus) wieder finden. Als weiteres Beispiel schildert die Referentin im Anschluss den Fall des zum Märtyrer erhobenen, angeblich von der israelischen Armee erschossenen 12 jährigen Jungen Muhammed Al-Dura.

Frau Salali ergänzt, dass Kindersoldaten nicht nur für den Kampf, sondern z.B. in Afghanistan mitunter auch als Prostituierte eingesetzt werden. Zum anderen weist sie auf den gezielten Einsatz von Kindern für die mediale Inszenierung von Konfliktparteien hin und stellt die Frage, warum Kinder dies eigentlich mit sich tun ließen. Hier wird seitens der Referentin auf die Manipulierbarkeit durch von Erwachsenen getätigte Versprechen verwiesen, zudem existiere bei Kindern ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung durch die älteren, bzw. durch die Familie. Frau Salali greift an dieser Stelle noch einmal auf, dass Kinder sich mitunter gegen den Willen ihrer Eltern einspannen ließen. Ein Kommilitone stellt den Begriff „Freiwilligkeit“ in Bezug auf Kinder in diesem Kontext generell in Frage, da sie von vielem keine Vorstellung hätten. Als Beispiel nennt er die fehlende Vorstellung vom Tod in Bezug auf von Kindern verübte Selbstmordattentate. Herr Konrad bestätigt dies und weist auf die für Kinder unklare Grenze zwischen Realität und Phantasie hin. Hier setze auch der propagandistische Einsatz von Comicfiguren an. Daraufhin wird die Frage gestellt, warum eigentlich grade westliche Comic Figuren für die Propaganda eingesetzt würden. Herr Konrad entgegnet, das dies für Kinder keine Rolle spiele und Frau Salali ergänzt, das Islamisten nicht generell gegen alles „westliche“ eingestellt seien (da sie z.B. auch auf das Internet zurückgreifen) sondern sich ihre Handlungen vielmehr aus dem Gefühl der Benachteiligung erklären ließen.


Quellen:
I. Schia: konfessionelle – politische Identität
- Fürtig, Henner: Irak. In: Ende, Werner/ Steinbach, Udo (Hg.): der Islam in der Gegenwart, Bonn 2005
- Halm, Heinz: Die Schiiten, München 2005
- Steinberg, Guido: Der Irak zwischen Föderalismus und Staatszerfall, Berlin 2007

II. Kinder und Jugendliche als Soldaten und Selbstmordattentäter
- Ben-Ari, Gal: Die Saat des Hasses. Juden und Israel in den arabischen Medien, Holzgerlingen 2002
- Gremliza, Herman L. (Hg.) Hat Israel noch eine Chance? Palästina in der neuen Weltordnung, Hamburg 2001
- Mekhennet, Souad/ Sautter, Claudia/ Hanfeld, Michael: Die Kinder des Dschihad. Die neue Generation des
islamistischen Terrors in Europa, München, 2006
- Specht, Irma/ Brett, Rachel: Young Soldiers: Why they choose to fight, Boulder 2004- Kindersoldaten Weltreport der International Coalition to Stop the Use of Child Soldiers, 2004

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