Donnerstag, 10. Januar 2008

Protokoll 19. 11. 2007

Seminar: Der Weg des Terroristen
FB 21 Erziehungswissenschaft
Protokollantinnen: M, N

Protokoll der Sitzung am 19.11.2007 „Grenzüberschreitungen“
18.15 Uhr: Dr. Salali:
· Rückblich auf letzte Sitzung „Ordnung und Chaos“
· Welt besteht aus Ordnung; Menschen streben diese auch an (Ordnungsmuster)
· Frage: ist diese Ordnung menschlich oder göttlich gegeben? Ist der Glaube die wahre Ordnung?
· Bezug zur heutigen Sitzung: Wenn Glaube die wahre Ordnung ist, wie erklären sich dann Religionskriege und der Jihad?

18.20 Uhr: Gerechter Krieg?
· Im Plenum war die Meinung, dass es den gerechten Krieg nicht gibt
· Haben Terroristen andere Vorstellungen vom Krieg/ andere Intentionen?
· Rückblick von Herrn Konrad
→ In den letzten 800 Jahren wurde er als „gerechter Krieg“ gesehen.
→ die Frage nach der Rechtfertigung von Krieg wird schon lange diskutiert (bereits im Alt-Syrien) und damit einher ging immer schon die Frage nach dem Kriegsrecht

Theorien zum „gerechten Krieg“
o Für Cicero (erster lateinische Kriegstheoretiker) gibt es einen gerechten Krieg unter folgenden Voraussetzungen:
- Er muss einen Grund haben (Bsp. Bestrafung, Rache, etc.)
- Er muss eine ordentliche Kriegserklärung haben
- An diese muss sich auch gehalten werden (z.B. Schonung von Kindern, Frauen und Verwundeten)
o Aurelius Augustinus (5. Jahrhundert)
- Hatte auch das dreier Schema (Grund, gewisse Regeln und die Einhaltung an Regeln)
- Nur ein Herrscher durfte Krieg führen (autorisierter Krieg)
o Mohammet (7. Jahrhundert)
- an 35 Stellen im Koran findet sich ein Bezug auf den Jihad
o Thomas von Aquin (Mittelalter)
· Jihad = ernsthaftes Bemühen (genaue Übersetzung des Wortes)
→ heiliger Krieg ist also nur ein Scheinargument (Bernhard Lewis beschäftigt sich in seinen Werken mit der Wortwahl und den Begriffsfeldern des Koran und meint, dass in 90% der Fälle, wenn von Jihad die Rede ist, der „tötende Jihad“ gemeint ist)
· Der Begriff „heiliger Krieg“ ist ein alter Begriff, den schon Augustinus verwendete, der durch ständige Wortkombination verändert wurde, aber seine Wurzeln in der christlichen Theorie hat – somit stellt sich die Frage, ob es richtig ist, einen Begriff, der christlich geprägt ist, auch für den Koran zu verwenden.
→ Der Heilige Krieg hat auch in der christlichen Tradition ständige Rechtfertigungsargumentationen
· Max Hemming (wahrscheinlich nur ein Pseudonym für den Arabisten Müller) beschäftigte sich 1904 mit Koranübersetzungen und sprach vom Jihad auch als „heiligen Krieg“
18.40 Uhr: Wo ist der Sprung v om islamistischen Kämpfer über seine Grenzen?
· Im Koran sind Kriegsregeln erkennbar, die schon seit 2000 Jahren beachtet werden (z.B. eine Regel ist der Schutz von Zivilisten)

Bezug zum letzten Referat (Kritik)
· Muslimischer Kämpfer: hat ein tötender Jihad Grenzen?
· Ein „totaler Krieg“ lässt sich nicht aus dem Koran entnehmen (klare Kriegsregeln gelten auch für muslimische Kriege – die gleichen, wie schon seit Jahrhunderten, darunter zählt auch: keine Zivilisten töten)
Haager Landkriegsordnung
· Völkerrechtliche Vereinbarungen zwischen verschiedenen Staaten (auch unterschiedlicher politischer Systeme)
· Auch der osmanische Staat hat den Vertrag mitunterzeichnet
Genfer Konvention (1960er)
· Erweiterter Schutz von Mitkämpfern und Beteiligten
→ aber islamistische Terroristen setzten sich über diese Grenzen hinweg
Sprung im Krieger – Seins?
· (Nur am Rande: Behandlung von Gefangenen in Guantanamo Bay
Die USA gehen verschärft gegen Terroristen vor, ohne sich an die oben genannte Konvention zu halten
Die USA wendet das amerikanische Recht bei der Verfolgung und Bekämpfung an
→ können demnach auch selber entscheiden wie sie vorgehen)
· Islamistische Terroristen beachten diese Grundregeln der Kriegsführung nicht!
· Die Argumentation für diese Widersetzung, die sich in der islamistischen Tradition wiederfinden:
1. Ebene der Argumentation: Bestreiten des Tatbestandes
2. Ebene der Argumentation: Rechtfertigen (Gute Gründe suchen: Notwehr)
3. Ebene der Argumentation: Entschuldigung (sie wissen, dass es nicht ok ist, aber sie argumentieren damit, dass sie nicht anders handeln können)
Übersetzung von Krieg (Tafelbild):
· ius belli – Kriegsrecht
· ius ad bellum – Recht zum Krieg
· bellum iustum – gerechter Krieg (schon bei Cicero)
· intentio bellantum recta – Rechte Kriegsintention (also keine niederen Gründe)
· iusta causa belli – Gerechter Kriegsgrund
→ diese Begriffe ziehen sich seit 2000 Jahren durch die Diskussion
19.10 Uhr: Grenzüberschreitungen
· es gibt die göttliche Kriegsfrührung und die juristische Kriegsführung, doch ab wann sprechen wir von Grenzüberschreitungen?
· Diskussion: Grenzüberschreitungen finden dann statt, wenn man sich nicht an die Regeln/ Gesetze hält; wenn es sich nicht im Rahmen hält; wenn es nicht mehr im Bereich des Normalen liegt
· „Normalität“ von Normen abgeleitet?
· Der normative Aspekt: was habe ich überhaupt für eine Grenze? Es muss klar definierte Normen und Ordnungen geben
→ Bin Laden akzeptiert die westlichen Normen nicht!
· Grenzüberschreitung = Normüberschreitung (d.h. Gesetze brechen)

Ab 19.20 Uhr: Diskussion:
· Gibt es absolute Normen, die jenseits von Gesetzen gelten, an die sich die ganze Welt hält?
· Die Einhaltung von Normen setzt folgende Punkte voraus: Verstehen, Akzeptieren, danach leben bzw. Durchführung – aber wer überwacht das?
· Gibt es übergesetzliche Grenzbereiche? Also göttliche Grenzbereiche? Auf die Normen kann man sich einigen: Bsp.: „man darf keine Unschuldigen töten“ – daran halten sich alle, aber wer entscheidet ob jemand unschuldig ist?! (die Definition ist bei jedem anders)
· Was ist bei allen Menschen gleich? Wir sind alle Menschen, das ist ein Punkt, der alle verbindet, doch im Krieg machen die Menschen aus ihren Feinden „Unmenschen“ – sie dämonisieren sie - darin liegt eine deutliche Grenzüberschreitung
· Einwand: im Krieg kommt es nicht zwangsläufig dazu, dass Menschen dämonisiert werden, da auch andere Gründe für einen Krieg vorliegen können.
· Gibt es ein allgemeines Gefühl von Recht/ Unrecht?
· Bei Allah- Gläubigen steht im Mittelpunkt ausschließlich, was Allah will
→ Individualität spielt keine Rolle
· Religion ist der Anfang der menschlichen Entwicklung
· Begriffliche Unterscheidung sind wichtig (ich – du – wir – sie)
· Bsp.: Bush vertritt kollektive Werte (die westlichen Werte; er spricht nicht von „ich“), die Frage hier ist: vertritt er die Werte aller Menschen im Westen? Er verteidigt sich mit der Meinung des Kollektivs
Islamisten
· Auch im Koran sind Grenzen gezogen
· Es muss erst ein ideologischer Schritt gemacht werden, um von diesen Grenzen weg zu kommen → Koran wird esoterisch gesehen → es gibt keine Grenzen (Auslegung)

Terroristen
· Werden weltlich, wenn die Grenzen überschritten werden
· Sie argumentieren: es ist Krieg, deswegen gibt es auch Tote → sie müssen also weltlich werden, um sich zu rechtfertigen
· Überwiegt das rein materielle Interesse oder wird das Normative aus der eigenen Kultur heraus begründet?
· Bin Laden und die Terroristen gehen davon aus vor Gott Rechenschaft ablegen zu müssen und sonst vor niemandem
· Von wem fühlen sich Terroristen zur Rechenschaft gezogen?
· Durch die Testamente sieht man, dass sie sich auch vor der Öffentlichkeit rechtfertigen wollen; sie versuchen ihren Taten ideologischen zu begründen, wobei es verschiedene Argumentationen gibt
· Die Botschaft des Testaments: Rechtfertigung und den Feinden Angst machen
· Eine mögliche (altertümliche) Ideologie ist:
der Koran ist Gottes Wort, aber es gibt wichtige und unwichtige Suren (Bsp.: wenn man sich stark auf die Gehorsamkeit von Gott bezieht, wird manch anderes unwichtig)
· Bsp.: Assasine → der 3. Großlehrer verkündete, dass eine neue Zeit angebrochen sei: Alkohol ist erlaubt und alles andere, was vorher verboten war, und jeder lebte danach
· → göttliche Gesetze werden immer von Menschen definiert/ interpretiert, wodurch sie auch immer gleichzeitig verändert werden,
also: Mensch kann Gottes Gesetze nicht übersetzen, weil sie dadurch an Göttlichkeit verlieren
· An dieser Stelle kam eine Diskussion über das Leben und die Rechtfertigung der Assasine
· Kurzer Exkurs zur Hamas: allerdings wurde diese Diskussion abgebrochen, da es keinen direkten Zusammenhang zu unserem Thema gab
· Bezug zum 11.September 2001: Rechtfertigung: Muslime starben als Märtyrer und die anderen haben es nicht anders verdient, weil sie schließlich bewusst in einer Demokratie leben, eventuell sogar Bush gewählt haben.

Auf Grund der Zeit musste die Sitzung beendet werden, doch das Fazit, das aus der Sitzung gezogen werden konnte, ist folgendes:
→ alle Unbeteiligten werden zu Beteiligten gemacht, weswegen keine Grenzüberschreitung statt gefunden hat (Plenum)

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